Von der Kritik zur Alternative – Theorieworkshop

Am 9. bis 10. September findet unser Theorieworkshop im V6 (Volmerswerther Straße 6, Düsseldorf) statt. Kommt vorbei und diskutiert mit! Nur gemeinsam können wir den Weg in eine menschenwürdige Zukunft ebnen.

9. September

12-14 Uhr: Der Ethos der Moderne, das Denken der Wissenschaften und ihre Dialektik

Die Skepsis gegenüber der Moderne und den „etablierten“ Wissenschaften scheint seit einigen Jahren zuzunehmen, was sich an dem partiellen Wiedererstarken von von Religion und Esoterik, sowie in rechten und postmodernen Strömungen bemerkbar macht. Diese Skepsis basiert mitunter auf einer falschen Annahme darüber, was Moderne und Wissenschaften ausmacht, und kann durch die Theorien der „Autoritätseffekte“ (Boudon), der „projektiv aneignenden Interpretation“ (Bühler/Tepe) und der politischen Entmutigung (Sokal/Bricmont) im Angesicht uneingelöster Versprechen erklärt werden.

14-16 Uhr: Sozialpsychologie als Instrument der Gesellschaftskritik

Seit dem Entstehen der Soziologie und der Sozialpsychologie gibt es die Diskussion darüber, inwiefern Wissenschaften zur Gesellschaftskritik beitragen können – bekannt ist diese Kontroverse vor allem durch den sogenannten Werturteils- oder Positivismusstreit. Der Vortrag zeigt, wie wissenschaftliche Gesellschaftskritik möglich ist und präsentiert dies exemplarisch an ausgewählten Theorien der Sozialpsychologie.

16-18 Uhr: Religionskritik im Angesicht des Rechtspopulismus

Im heutigen politischen Klima ist Religionskritik nicht mehr nur ein linkes Thema. In westlichen Ländern machen RechtspopulistInnen Stimmung gegen den Islam und das Judentum. Dabei handelt es sich nicht selten um versteckten Rassismus. Eine genaue ideologiekritische Untersuchung, die auch falsifizierbare Prognosen berücksichtigt, ist nötig, um legitime Religionskritik von Rassismus abzugrenzen. Insbesondere soll die Verbindung von Terrorismus und Religiosität kritisch untersucht werden.

18-20 Uhr: Sexismus als gesellschaftliches Verhältnis: Problem, Analyse, Utopie

Sexismus beschreibt ein grundlegendes Verhaltensmuster in der Gesellschaft. Der Vortrag wird aufzeigen, inwiefern sexistische Strukturen oftmals auch unbewusst reproduziert werden, auch von Personen, die eigentlich eine anti-sexistische Einstellung vertreten. Zunächst soll das Problem allgemein bestimmt werden, um in der Analyse das Verhältnis zu Phänomenen wie dem Patriarchat, dem Kapitalismus, zur Homophobie und der LGBTQ-Szene zu klären. Nach der Benennung des Problems und seiner Analyse wird zuletzt die politische Praxis beleuchtet. Der Fokus liegt hier auf einem möglichen anti-sexistischen Handlungsimperativ.

10. September

12-14 Uhr: Schön wärs! Konkrete Utopien – Konstruktionen gesellschaftlicher Möglichkeiten

Anders als privatem Begehren wird Gesellschaftsvisionen häufig mit resigniertem Argwohn begegnet. Jedoch stand vor jeder gesellschaftlichen Veränderung, die wir heute als grundlegend für ein friedliches und freies Miteinander betrachten, zunächst eine unerreichbar scheinende Utopie. Der Vortrag wird zunächst einige historische Utopien veranschaulichen, daraufhin darlegen, warum Utopien heute überholt wirken und sich zum Schluss mit der Frage auseinander setzen, inwiefern konkrete Utopien wieder eine bessere Zukunft einläuten könnten.

14-16 Uhr: Die Ausgangslage: Zukunft und Gesellschaft in der heutigen Alltagskultur

Die Vorstellung, eine bessere Zukunft bewusst gestalten zu können, war bis zum Ende des 20. Jahrhunderts für etwa zweihundert Jahre ein Kernelement moderner Kultur. Da Gesellschaft danach als nicht mehr grundlegend veränderbar galt, wurde soziale Unzufriedenheit durch kulturelle und zunehmend identitäre Kämpfe kanalisiert. Gerade die reaktionärsten Formen dieses Kulturalismus beweisen aber aktuell im negativen, dass unsere Gesellschaft veränderbar ist. Der Vortrag untersucht, wie die zeitgenössische Kultur auf solche Umbrüche reagiert, und welche Ansätze des Alltagsbewusstseins offen für ein neues Ringen um eine bessere Zukunft sind.

16-18 Uhr: Wege in die Zukunft: Akzelerationismus

Im Jahr 2013 ging ein Modewort durch die sozialen Medien: Akzelerationismus. Unter PhilosophInnen und in Teilen der Kunstszene wurde seitdem über #Akzeleration diskutiert. Der Hype erzeugte nicht nur Einiges an Aufmerksamkeit, sondern brachte zugleich massive Missverständnisse hervor. Um mit diesen Missverständnissen aufzuräumen und die Frage nach dem realen politischen Nutzen der Strömung zu klären, wird unser Vortrag kurz die Ursprünge des Akzelerationismus beleuchten und dann dessen Inhalte unter die Lupe nehmen.

18-20 Uhr: Konkrete Utopie: Objektiv bestimmte Werte und ihre Anwendung in der sozialistischen Wirtschaft

Was sind objektiv bestimmte Werte, und wie können sie bei der Planung einer sozialistischen Wirtschaft zum Einsatz kommen? Objektiv bestimmte Werte wurden von dem Mathematiker und Wirtschaftsnobelpreisträger Kantorowitsch als zentrale Recheneinheit für den Sozialismus entwickelt. Dieser Wert eines Gutes ergibt sich direkt aus den wirtschaftlichen Bedingungen, und nicht etwa aus dem Marktgeschehen. Die objektiv bestimmten Werte spiegeln das knappe Vorhandensein von Gütern wider und können zum Lösen diverser wirtschaftlicher Probleme verwendet werden.

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