Philosophischer Salon: Soziale Erkenntnistheorie I

Am Mittwoch, 15.02.2016, um 19:30 Uhr findet wieder der Philosophische Salon im V6 statt.

Soziale Erkenntnistheorie I. Vertrauen in epistemische Autoritäten

„Warum glauben Sie, was Sie die Professorin im Auditorium lehrt?“
„Weshalb halten Sie für wahr, was in der Zeitung steht?“
Der sozialen Erkenntnistheorie zur Folge ist der überwiegende Teil unseres Wissens sozial vermittelt. Die Frage, warum wir eine Überzeugung für wahr halten, zielt vor diesem Hintergrund auf den epistemischen Status des Zeugnisses anderer ab. Da wir aus Gründen begrenzter Ressourcen und Kompetenzen nicht in der Lage sind, diese Zeugnisse steter qualifizierter Prüfung zu unterziehen, sind wir darauf angewiesen, unseren Mitmenschen und Institutionen zu vertrauen. In diesem Vortrag gehe ich der Frage nach den Funktionen epistemischer Autoritäten und den Problemen der Rechtfertigung sozialer Glaubwürdigkeitspräsumtionen nach. Der Vortrag schließt mit einer Anwendung der diskutierten Modelle auf die Phänomene des systematischen Misstrauens gegenüber dem Journalismus („Lügenpresse“) und den Wissenschaften („Systemwissenschaft“), ihrer (mangelnden) Rechtfertigung und einigen Erklärungsskizzen.

Anmerkung I
Im kommenden Monat (14.03.; ab März findet der Philosophische Salon stets am 2. Dienstag im Monat statt) folgt der zweite und vorläufig abschließende Teil dieser Reihe: „Soziale Erkenntnistheorie II. Ideologiekritik sozio-epistemischer Rahmenbedingungen.“ Ein Besuch des ersten Vortrags ist für das Verständnis zwar empfehlenswert, aber nicht obligat.

Anmerkung II
Für den 15.02. war ursprünglich der Vortrag „Die Darstellung Piłsudskis in der polnischen Gesellschaft zur Zeit der Flüchtlingskrise – Ideal und Wirklichkeit einer Identifikationsfigur“ angekündigt. Leider muss dieser Vortrag kurzfristig ausfallen. Ggf. wird er jedoch im Laufe des Jahres nachgeholt.

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Philosophischer Salon: Aufklärungstechnologie

Am Mittwoch, 16.11.2016, um 19:30 Uhr findet wieder der Philosophische Salon im V6 statt.

Aufklärungstechnologie: Das Ideal der Selbstbefreiung durch das Wissen und die Praxis der Irrtumskorrektur


Traditionell wird das Programm der Aufklärung darin gesehen, die Unmündigkeit des Menschen zu reduzieren und seine Autonomie zu forcieren – was durch Selbstdenken, die Emanzipation von Autoritäten und zutreffendes Sachwissen geleistet werden soll. Karl R. Popper brachte diese Agenda durch das Ideal der „Selbstbefreiung durch das Wissen“ auf den Begriff. Doch es benötigt eine weitergehende Bestimmung, was näher unter dieser „Selbstbefreiung“ verstanden werden kann und welche Arten von Wissen und Wissensvermittlung die Realisierung dieses Ideals zu leisten vermögen. Diese näheren Bestimmungen konstituieren die „Aufklärungstechnologie“, deren Aufgabe es ist, zu eruieren, welche Mittel besonders geeignet sind, um den Zweck der Aufklärung zu erfüllen.

Der Vortrag wird in einem ersten Schritt eine Charakterisierung der Aufklärungstechnologie bemühen und sodann den Blick auf einige neuere Diskussionen in der angelsächsischen Psychologie werfen, die nahe legen, dass die Praxis der Irrtumskorrektur, die Gegenstand der Aufklärungstechnologie ist, mit Problemen zu kämpfen hat, die auch die Aufklärungstechnologie dazu zwingen könnte, neue Wege zu gehen. Im Fokus stehen hier exemplarisch sogenannte „Backfire-Effects“, die das gutuntersuchte Phänomen beschreiben, dass der Versuch, Irrtümer zu korrigieren, unter bestimmten Umständen systematisch zu einer Verstärkung dieser Irrtümer führen kann, statt zu ihrer Reduzierung. Um diesem Effekt zu entgehen, empfehlen einige Psychologen, rationale Diskussion und Wissensvermittlung durch indirekte Taktiken der Handlungs- und Überzeugungsänderung zu ersetzen. Im Anschluss an den Vortrag werden wir darüber diskutieren, welche Konsequenzen diese Debatten für die Aufklärungstechnologie haben können und müssen.

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Philosophischer Salon: Zur Kritik an Ayn Rands ‚Objektivismus‘

Den Vortrag könnt ihr euch hier nocheinmal anhören.

Achtung: Datum geändert: Mittwoch, 19.10.2016

Am Mittwoch, 19.10.2016, um 19:30 Uhr findet wieder der philosophische Salon im V6 statt.

Dieses Mal: Zur Kritik an Ayn Rands ‚Objektivismus‘

Ayn Rands Weltanschauung des „Objektivismus“ – hauptsächlich in ihrem Roman „Atlas Shrugged“ (1957) dargelegt – ist außerhalb des englischsprachigen Raumes (und auch dort hauptsächlich in den Diskursen der selbsternannten „Anarchokapitalisten“) kaum rezipiert worden. Dabei erfreut sie sich in den entsprechenden Kreisen größter Beliebtheit und wird häufig als philosophische Legitimation für neoliberale Konzeptionen von Staat, Wirtschaft und Gesellschaft angeführt, weil sie von Metaphysik über Epistemologie bis Ethik eine scheinkohärente Legitimation für den Egoismus liefert. Das geringe Interesse an Rands Schaffen ist nicht zuletzt in dessen geringer literarischer und intellektueller Qualität begründet aber in dem Vortrag soll es im Wesentlichen um ihre formalen Fehler, ihre recht arbiträr anmutenden Griffe in die Konzeptkiste der Philosophiegeschichte und ihre fragwürdige Moralphilosophie gehen. Abschließend werde ich einige Wort zu dem erheblichen Einfluss von Ayn Rand auf zeitgenössische neoliberale Diskurse sagen.

 

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Vortrag & Diskussion: Basale Rationalitätsvorstellungen und fundamentaler Relativismus

Vortrag und Diskussion am Dienstag, 13.09.2016, um 19:30 Uhr im V6.
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Basale Rationalitätsvorstellungen und fundamentaler Relativismus


Wenn wir uns für die vorläufige Akzeptanz oder Ablehnung einer Theorie entscheiden, wenn wir eine Überzeugung als falsch oder ein Argument als triftig ansehen, so führen wir dies jeweils in letzter Konsequenz vor dem Hintergrund von basalen Annahmen darüber durch, was wir als *vernünftig* verstehen. Jede Methode, ja selbst etwa die Idee, dass der empirische Voraussageerfolg einer Theorie ein Indiz für die Richtigkeit dieser Theorie sein kann, fußt letztlich auf diesen basalen Rationalitätsvorstellungen.

Nun entsteht jedoch ein fatales Problem: Wenn diese basalen Vorstellungen systemisch bereits vorausgesetzt werden müssen, um selbst eine Methode als akzeptabel zu verstehen – können diese dann selbst überhaupt kritisiert werden? Sind basale Rationalitätsvorstellungen qua ihrer Funktion bereits restlos gegen Kritik und damit vernünftige Revision immunisiert? Und wie ließe sich die Konsequenz dieses Infallibilismus – nämlich ein fundamentaler Relativismus, bei dem divergierende basale Rationalitätsvorstellungen vielleicht nicht einmal mehr eine gemeinsame primitive Verständigungsgrundlage teilen – umgehen? Diese Fragen klingen zwar in hohem Maße philosophisch-abstrakt; doch sind sie von unmittelbarer – auch politischer – Relevanz: Denn sie verweisen auf die Problematik, wie vernünftig unsere Vorstellungen von Vernünftigkeit, damit unsere Theorien, Methoden und auch die Ablehnungen der in unseren Augen „falschen“ Theorien sind, und betreffen die Frage nach der Reichweite politisch-weltanschaulicher *Aufklärung* mittels vernünftiger Argumentation.

Exemplarische Literatur zur Orientierung:

Thomas NAGEL (1999): Das letzte Wort. (insb. Kapitel 5)
Hilary PUTNAM (1982): Vernunft, Wahrheit und Geschichte. (insb. Kapitel V, VII, VIII und IX)
Hans Jürgen WENDEL (1990): Moderner Relativismus. Zur Kritik antirealistischer Sichtweisen des Erkenntnisproblems.

Philosophischer Salon: Gerechtigkeit und der Freie Markt

Am Mittwoch, 13.07.2016, um 19:30 Uhr findet wieder der philosophische Salon im V6 statt.

Dieses Mal: Gerechtigkeit und der Freie Markt

Nach Robert Nozick ist nur der Freie Markt gerecht, denn eine Einschränkung des freien Austausches ist eine ungerechte Verletzung der Eigentumsrechte des Einzelnen. Seine Verteidigung des Eigentums sieht er auch als eine Verteidigung individueller Freiheit. In dem Vortrag sollen sich Nozicks Argumente genauer angeschaut und erwägt werden, wie eine (marxistische) Kritik an diesen aussehen kann.

Literatur:
R. Nozick: Anarchie, Staat, Utopia. Olzog, München 2011.
G.A. Cohen: Self-ownership, freedom and equality, Cambridge University Press 1995.

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Philosophischer Salon: Ökonomistische Einstellungen als Folge bürgerlich-kapitalistischer Fetischverhältnisse

Am Mittwoch, 20.04.2016, findet wieder der philosophische Salon im V6 statt.

Der Soziologe Wilhelm Heitmeyer definiert in seinen Studien zu den „Deutschen Zuständen“ Einstellungen als ökonomistisch, wenn wirtschaftlich-funktionale Kriterien wie Effizienz, Verwertbarkeit, Nützlichkeit oder Rentabilität zur Bewertung von Mensch und Moral herangezogen werden.
Doch wie kommen diese Einstellungen in die Welt?

Ist die „Ökonomisierung des Sozialen“, die Heitmeyer und Co. als ursächlich benennen, tatsächlich der Ursprung der Ökonomistischen Einstellungen oder liegen ihre Wurzeln womöglich sehr viel tiefer in den undurchsichtigen Strukturen der kapitalistischen Alltagswelt verborgen? Welche Rolle spielen die von Marx benannten Fetischismen der Ware, des Geldes und des Kapitals? Und wie lassen sich sozialkonstruktivistische Diskurstheorien zur Erklärung des Phänomens hinzuziehen? All diese Fragen versucht der Vortrag zu klären und bietet damit sicherlich viel Raum für eine anschließende Diskussion.

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