Association for the Design of History

Die Plattform ADH, „Association for the Design of History“, ist ein internationaler Zusammenschluss politischer AktivistInnen. Schwerpunkte unserer Arbeit sind momentan die Entwicklung, Diskussion und Verbreitung zukunftsweisender Ideen sowie die Vernetzung mit anderen Gruppen, Gewerkschaften und NGOs. Zudem organisieren und unterstützen wir Kampagnen gegen Rassismus, Sexismus und andere irrationale und menschenfeindliche Ideologien.

Nach dem Fall der Sowjetunion rief der us-amerikanische Politikwissenschaftler Francis Fukuyama nämlich das „Ende der Geschichte“ aus. Er glaubte, der liberale Kapitalismus habe alle konkurrierenden Systeme besiegt, so dass nun das Zeitalter seiner alleinigen Dominanz angebrochen sei. Existierende Konflikte und reales Elend waren für Fukuyama nur vorübergehende Erscheinungen, die mit dem sich vollendenden Siegeszug des Liberalismus wegfallen würden. Mit seinem Denken war Fukuyama nicht allein, im Gegenteil: Nach dem Wegfall der „Systemkonkurrenz“ setzte sich das Gerücht von der Alternativlosigkeit der kapitalistischen Wirtschaftsform selbst bei fortschrittlichen Kräften durch. Während sich der eine Teil der westlichen Linken in nutzlose bis reaktionäre Identitäts-, Szene- und Kleinpolitik zurückgezogen hat, begnügt sich der andere mit einem zahnlosen Reformismus: Sozialdemokratie und Gewerkschaften wurden, sofern sie nicht bereits mit wehenden Fahnen in das neoliberale Lager übergelaufen sind, massiv in die Defensive gedrängt. Das sollte uns nicht wundern, denn wer den Kapitalismus als alternativlos begreift, ist dazu verdammt, die eigene Politik zuallererst an den systemischen Zwängen des Weltmarktes auszurichten – alle anderen Ziele treten automatisch in den Hintergrund. Sozialabbau, wachsende Ungleichheit und Armut sind die Resultate einer Wirtschaftsform, die nur durch einen weit verbreiteten, „fukuyamaistischen“ Mangel an politischer Vorstellungskraft am Leben erhalten wird. Die Ignoranz der neoliberalen Eliten besiegelt ironischerweise den Untergang des liberalen Gesellschaftsmodells: Faschistische Demagogen können aufgrund der Hoffnungslosigkeit und Desillusionierung großer Bevölkerungsteile astronomische Wahlergebnisse erzielen. Donald Trump ist nur ein Beispiel dafür.

Wir glauben, folgende These gegen den common sense unserer Zeit verteidigen zu können: Eine andere, bessere Welt ist möglich. Diese Welt lässt sich aber nur dann verwirklichen, wenn die Linke ihre Aufgabe, die bewusste Transformation der Gesellschaft, ernst nimmt: An Stelle esoterischer Träumereien muss das schonungslose Studium der Wirklichkeit treten. Müsste man die Idee des Kommunismus so einfach wie möglich auf den Punkt bringen, sie bestünde darin, dass die Menschen die Welt bewusst zu ihrem gemeinsamen Vorteil gestalten können, wenn sie durch wissenschaftliche Theorien Einsicht in die Funktionsweise der (kapitalistisch-nationalstaatlichen) Gesellschaft gewinnen und gleichzeitig so gut vernetzt sind, dass sie kollektive Handlungsfähigkeit gewinnen. Zum ersten mal in seiner Geschichte wäre der Mensch nicht mehr Spielball abstrakter Kräfte und Sachzwänge, die er weder versteht noch kontrolliert (Konkurrenzlogik von Unternehmen und Staaten), sondern bewusster Gestalter seiner gesellschaftlichen Umwelt. Das wäre der Anfang einer wahrlich menschlichen Geschichte, daher unser Gruppenname.

Mehr denn je zuvor bedarf es dieser Alternative. Abgesehen von dem tagtäglichen Elend, das der Kapitalismus in Form von Armut, Überarbeitung, Hunger und mangelnder medizinischer Versorgung über die „Verdammten dieser Erde“ bringt, steht er auch in fundamentalem Widerspruch zu sich selbst und zum Stand der technischen Entwicklung. Das Stagnieren der Reallöhne führt in Kombination mit steigender Produktivität und der systemischen Notwendigkeit hoher Profite zu heftigen Absatz- und Bankenkrisen sowie Massenarbeitslosigkeit. Führende Wissenschaftler der Oxford University etwa warnen davor, dass in 20 Jahren mehr als die Hälfte aller Arbeitsplätze der „westlichen Welt“ durch Automatisierung verloren gehen werden; in Indien werden es etwa 80% sein. Die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Folgen dieser Entwicklung wären katastrophal. Technischer Fortschritt, der eigentlich allen Menschen mehr Reichtum und mehr Muße garantieren könnte, wird unter kapitalistischen Bedingungen zur Todesfalle. Als ob das nicht genug wäre: Eine fatale Kombination aus wirtschaftlicher Unsicherheit und wahrgenommener Alternativlosigkeit treibt die Menschen in die Arme irrationaler, wahnhafter Bewegungen, ob nationalistisch oder religiös-fundamentalistisch. Eine hoffnungsvolle, freiheitliche und an den Interessen der Gesamtbevölkerung ausgerichtete kommunistische Bewegung ist unsere einzige Hoffnung, wenn Freiheit und liberale Werte Bestand haben sollen.

Die historische Sowjetunion kann für uns aber kein Vorbild sein. Der Stalinismus hat das ursprünglich demokratische Projekt des Kommunismus in den Augen vieler Menschen diskreditiert, weil er die materiellen Bedürfnisse der Bevölkerung nicht im ausreichenden Maße befriedigen konnte, die Idee der universellen Emanzipation innenpolitisch verraten hat und auf globaler Ebene nationale geopolitische Interessen verfolgte, statt einen weltweit vernetzten Kampf gegen Ausbeutung und Unterdrückung zu führen. Das zwanzigste Jahrhundert hat klar gezeigt, dass die Strategie der Stalinisten, also der Aufbau autoritärer Regime auf nationaler Basis und die Entmündigung und Demobilisierung der Massen, in keiner Weise mit Rationalität und Marxismus vereinbar ist. Die Bewegung sollte die Fehler der Vergangenheit nicht widerholen, sondern aus ihnen lernen. Die Maxime lautet: Direkte Demokratie statt autoritärer Herrschaft, computergestützte Effizienz statt wirtschaftlicher Fehlkalkulation, globale Politik statt nationaler Kleingeistigkeit. Der Kommunismus des 21. Jahrhunderts ist demokratisch, global und wissenschaftlich, oder er ist nichts.

An dieser Stelle stellt sich die Frage nach der Umsetzung unserer hochtrabenden Ziele. Nur durch die massenhafte Mobilisierung der Unterdrückten in einer revolutionären Bewegung kann das ambitionierte Projekt des Kommunismus Wirklichkeit werden. Die Lage ist ernst, aber es gibt mehr Hoffnung als der desillusionierte Zeitgeist suggeriert: Überall auf der Welt existieren Konflikte zwischen Unterdrückten und Unterdrückern. Die Arbeitswelt ist der Schauplatz eines beständigen Kampfes zwischen Lohnempfängern und Gewerkschaften auf der einen und Kapitalisten auf der anderen Seite. Gleichzeitig ringen innerhalb aller Staaten die Kräfte der Demokratie mit jenen Klassen und Institutionen, die ein Interesse an einer autoritären Politik vertreten. Atheistinnen und Feministen kämpfen gegen den religiösen Fundamentalismus und traditionalistische Moralvorstellungen an, während sich Geflüchtete und Migrantinnen gegen die Angriffe nationalistischer Kräfte zur Wehr setzen. Im Sinne der Revolutionstheorie Rosa Luxemburgs wollen wir durch gezielte Intervention in Kämpfe, die im Betrieb, in den Parlamenten, an den Unis und auf der Straße toben, dazu beitragen, dass sie gewonnen werden, sich radikalisieren und letztendlich institutionell zusammenwachsen. So kann Stück für Stück eine vernetzte, demokratische und disziplinierte Massenbewegung aufgebaut werden.