Ethos der Moderne

Woher kommt die Skepsis an Moderne und Wissenschaften? Um diese Frage zu beantworten, ist es sinnvoll, sich mit Autoritätseffekten, projektiv aneignenden Interpretationen sowie politischen Enttäuschungen auseinander zu setzen. Genau dies tut Patrick Körner in seinem Essay Der Ethos der Moderne, das Denken der Wissenschaften und ihre Dialektik.

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Vortrag & Diskussion: Basale Rationalitätsvorstellungen und fundamentaler Relativismus

Vortrag und Diskussion am Dienstag, 13.09.2016, um 19:30 Uhr im V6.
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Basale Rationalitätsvorstellungen und fundamentaler Relativismus


Wenn wir uns für die vorläufige Akzeptanz oder Ablehnung einer Theorie entscheiden, wenn wir eine Überzeugung als falsch oder ein Argument als triftig ansehen, so führen wir dies jeweils in letzter Konsequenz vor dem Hintergrund von basalen Annahmen darüber durch, was wir als *vernünftig* verstehen. Jede Methode, ja selbst etwa die Idee, dass der empirische Voraussageerfolg einer Theorie ein Indiz für die Richtigkeit dieser Theorie sein kann, fußt letztlich auf diesen basalen Rationalitätsvorstellungen.

Nun entsteht jedoch ein fatales Problem: Wenn diese basalen Vorstellungen systemisch bereits vorausgesetzt werden müssen, um selbst eine Methode als akzeptabel zu verstehen – können diese dann selbst überhaupt kritisiert werden? Sind basale Rationalitätsvorstellungen qua ihrer Funktion bereits restlos gegen Kritik und damit vernünftige Revision immunisiert? Und wie ließe sich die Konsequenz dieses Infallibilismus – nämlich ein fundamentaler Relativismus, bei dem divergierende basale Rationalitätsvorstellungen vielleicht nicht einmal mehr eine gemeinsame primitive Verständigungsgrundlage teilen – umgehen? Diese Fragen klingen zwar in hohem Maße philosophisch-abstrakt; doch sind sie von unmittelbarer – auch politischer – Relevanz: Denn sie verweisen auf die Problematik, wie vernünftig unsere Vorstellungen von Vernünftigkeit, damit unsere Theorien, Methoden und auch die Ablehnungen der in unseren Augen „falschen“ Theorien sind, und betreffen die Frage nach der Reichweite politisch-weltanschaulicher *Aufklärung* mittels vernünftiger Argumentation.

Exemplarische Literatur zur Orientierung:

Thomas NAGEL (1999): Das letzte Wort. (insb. Kapitel 5)
Hilary PUTNAM (1982): Vernunft, Wahrheit und Geschichte. (insb. Kapitel V, VII, VIII und IX)
Hans Jürgen WENDEL (1990): Moderner Relativismus. Zur Kritik antirealistischer Sichtweisen des Erkenntnisproblems.